Seit 30 Jahren erlebe ich ein Phänomen: die Männer an der Spitze wissen nicht, wie sie ihren Führungswillen an der Basis durchsetzen können. Die meisten Top-Manager haben eine genaue Vorstellung davon, wie sie ihr Unternehmen auf dem Weltmarkt platzieren und welche strategischen Ziele sie erreichen wollen. Doch seit 30 Jahren machen sie bei der Umsetzung die gleichen Fehler.
Beispiel:
Ein bekanntes deutsches Unternehmen mit 10.000 Mitarbeitern bekommt einen neuen Vorsitzenden. Er bringt seine Berater gleich mit. Die üblichen Analysen mit den sattsam bekannten Ergebnissen werden erstellt und 30 Handlungsfelder präsentiert. Der Vorstand wählt 10 Themen, und pro Thema wird ein Projektleiter gesucht, natürlich „die Besten“. Jeder Projektleiter gründet ein 10köpfiges Team, das Projekt erhält einen englischen Slogan „Change for XY“, und mit Begeisterung („endlich mal was Neues“) wird das Projekt gestartet. Jedes Projekt-Team meldet Erfolge. Der Vorsitzende freut sich. Der Controller wartet, dass seine prognostizierten Produktivitätszuwächse eintreten. Alles paletti! Schaut man jedoch hinter die Projektkulisse, ergibt sich ein ganz anderes Bild:
Nach 8 Monaten geht den ersten Teams die Puste aus, so dass nach 1,5 Jahren das Projekt, das nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden „ein voller Erfolg“ war, eingestellt wird. Die Mitarbeiter erleben zum wiederholten Mal das Gefühl: „Ach, war's das?“ Ein neues Schlagwort, ein neues Projekt, ein neues Team muss her. Der Ablauf bleibt wie immer der gleiche. Warum?
Warum lernen unsere Manager nichts dazu?
Warum wiederholen sie immer wieder ihre alten Fehler? Warum zieht sie der Top Down-Ansatz „Ich befehle-Du gehorchst“ so magisch an? Die Antwort ist oft einfacher als man glaubt: Weil sie es nicht anders gelernt haben. Obwohl es seit vielen Jahren bekannt ist, dass 2/3 aller Top Down-Ansätze scheitern, werden lieber die gewohnten alten Ansätze wiederholt, als neue Wege gegangen.
Was also wäre neu?
Alle Mitarbeiter an der Basis aktiv in den Veränderungsprozess einzubinden!
Der Pfiff liegt In der Kombination aller Teilelemente
Sie werden sich nun fragen, was an diesen Ansätzen neu sein soll. Nichts! Das einzelne Element ist nicht wirklich neu. Der Pfiff liegt nur in der Kombination aller Teilelemente zu einem kombinierten Top Down und Bottom Up-Ansatz.
Glauben die Top-Manager wirklich, dass sie ihren Führungswillen gegen den Willen der Basis praktisch durchsetzen können? Sehen sie nicht, dass das mittlere Management Veränderungsprozesse noch nie erfolgreich managen konnte, weil ihm Status wichtiger ist als Fortschritt?
Erfolgreiche Veränderungsprozesse werden heutzutage durch die Basis getragen. In den Köpfen unserer Mitarbeiter stecken unzählige Verbesserungsideen, die wir mit unserem verstaubten betrieblichen Vorschlagswesen nicht heben. Jedoch sind viele Führungskräfte davon überzeugt, dass es diese Fülle von Verbesserungsvorschlägen in ihrem Unternehmen gar nicht geben kann. Die Phantasie unserer Manager reicht schlicht nicht aus, um sich vorzustellen,
Das Geheimnis des Bottom Up-Ansatzes liegt in der Sehnsucht jedes Menschen „freiwillig etwas lernen zu dürfen“.
